LCOY 2019

2019 haben wir Anfang Oktober (4.–6.) die erste junge Klimakonferenz veranstaltet. Drei Tage lang haben sich über 500 Teilnehmende aus ganz Deutschland in der Internationalen Gesamtschule Heidelberg (IGH) zusammengefunden, viele interessante Vorträge genossen, an spannenden Seminaren teilgenommen und die einmalige Möglichkeit gehabt, sich mit jungen, motivierten Menschen aus ganz Deutschland zu vernetzen.

Vielfältiges Programm 

Dies war bereits die größte LCOY weltweit. Es gab insgesamt über 180 Programmpunkte zu einem breiten Themenfeld: Von Vorträgen über die möglichen Schattenseiten der E-Mobilität über Workshops zum Thema globaler Wasserverbrauch bis hin zu Diskussionsrunden über internationale Klimapolitik war für alle etwas Interessantes und Lehrreiches dabei. Mit unterschiedlichen Herangehensweisen und vielfältigen Formaten wurde der Frage begegnet, wie wir durch unser persönliches Zutun das 1.5°C-Ziel einhalten können.

An den Abenden gab es jeweils besondere Programmpunkte mit allen Teilnehmenden in der großen Aula der Schule. Dabei wurde am Freitag dem Thema ‘Sustainable Development Goals’, welches von den UN-Jugenddelegierten für Nachhaltige Entwicklung Rebecca Freitag und Felix Kaminski vorgestellt wurde, besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Am Samstag diskutierten prominente Expert*innen aus Politik und Wissenschaft darüber, wie die Ernährung der Zukunft aussehen kann und soll.

Spaß und Unterhaltung

Neben so viel inhaltlichem Input und spannendem Austausch ist auch der Spaß auf der LCOY nicht zu kurz gekommen. Somit trugen die Teilnehmenden bei PowerPoint Karaoke witzige Präsentationen vor. Bei Werwolf und anderen Gesellschaftsspielen lernte man sich besser kennen. Und der Swing-Tanzkurs animierte dazu, mal wieder das Tanzbein zu schwingen.

Ziele und Kernforderungen

Unser Ziel ist es, gemeinsam zu lernen, Erfahrungen und Wissen auszutauschen und uns zu vernetzen. Dies geschah im Rahmen von vielfältigen Programmbeiträgen wie Diskussionsrunden, Vorträgen und sogar Rollenspielen. 

Es konnten konkrete politische Forderungen, aber auch persönliche Wünsche formuliert und diskutiert werden. Zu den auf der LCOY entwickelten Kernforderungen an die Politik gehört zum Beispiel das Recht auf Klima-Asyl und die Einführung eines wissenschaftlich fundierten CO2-Preises mit Klima-Dividende. Auch die staatliche Förderung von nachhaltigem Konsumverhalten und die Subventionierung von Bio- und Fairtrade-Produkten fand viel Zuspruch. Zum Schluss wurden alle Ergebnisse festgehalten und anschließend veranstalteten die Organisator*innen gemeinsam mit Teilnehmenden in 11 unterschiedlichen Städten Aktionstage unter dem Motto „Klima geht lokal!“. Dabei wurden unsere Gedanken an viele weitere Menschen weitergegeben.

Das ganze Wochenende haben wir zu sehr verschiedenen Themen diskutiert, die rund um den Klimawandel große Bedeutung haben. Moderiert wurden die Runden von Mitgliedern des Organisationsteams, mitdiskutiert haben jeweils bis zu 40 Teilnehmende. Am Ende wurden gemeinsam zu allen Themenbereichen Forderungen und Statements formuliert (oft aus mehreren Runden), über die anschließend alle Teilnehmenden der LCOY Deutschland 2019 abstimmen konnten. Die Zustimmungszahlen sind jeweils angegeben (zuerst "volle Zustimmung"="Ja" und dann "Eher ja"="Teilweise")

Kernforderungen

  1. Interationale Klimapolitik muss Verbindlich sein. Sanktionsmechanismen bei Nicht-Einhaltung der nationalen Klimaziele, außerdem eine Kontrollinstanz die neutral überprüft, inwiefern die Ländern wirklich versuchen, die NDCs zu erreichen und ob diese der Wahrheit entsprechen. (77 % + 20 %)
  2. Umfassende Bepreisung von negativen Umwelteinflüssen, Einführung eines wissenschaftlich fundierten CO2 Preises mit Klima-Dividende (86 % + 12 %)
  3. Angesichts klimabedingt verstärkt auftretender Migration soll es ein Recht auf Klima-Asyl geben – Länder des globalen Nordens müssen ihrer historischen Verantwortung gerecht werden! (83 % + 14 %)
  4. Sämtliche klimaschädlichen Subventionen und Steuerprivilegien müssen abgeschafft und mindestens in selber Höhe in den öffentlichen Personenverkehr und Ausbau erneuerbarer Energien investiert werden (79 % + 17 %)
  5. Die zur Verfügung gestellte Fläche für Autos in den Städten (Fahrbahn(breite), Parkplätze, …) soll erheblich verringert und der dadurch frei gewordene Platz für Fahrradinfrastruktur und Stadtbegrünung zur Verfügung gestellt werden, mit dem langfristigen Ziel eine autofreie Stadt zu ermöglichen (85 % + 11 %)
  6. Druck auf die Politik erhöhen und Klimaklage gegen höhere Instanzen und Verursacher richten (juristische Eskalation) (70 % + 20 %)
  7. Mit Förder- und Steuerpolitik der Industrienationen eine nachhaltigere Ernährung fördern und begünstigen und Verschwendung sanktionieren. (86 % + 14 %)
  8. Der Staat muss nachhaltiges Konsumverhalten zum vorteilhaften und langfristigen normalen Verhalten machen z. B. durch Besteuerung, Bildungsprogramme, (finanzielle) Förderung, Subventionsabbau, gesetzliche Vorgaben und Einschränkungen von Werbung (95 % + 5 %)
  9. Finanztranzaktionssteuer einführen und Klimaschäden, die durch Produkte entstehen, über den Preis abdecken. Klimaschädlich hergestellte Produkte müssen teurer werden, bio und fair trade subventioniert!
    (77 % + 16 %)
  10. Bei konkreten Digitalisierungsmaßnahmen muss eine gesamtgesellschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse durchgeführt werden, bei der auch Rebound-Effekte mit einbezogen werden. (86 %)
  11. Bildung für Nachhaltigkeit muss in Schule, Uni und Beruf verpflichtend integriert werden, als eigenes Fach. (70% + 28 %)
  • Menschheitsschutz
  • Liebe des Menschen
  • Ich will eine Zukunft für folgende Generationen
  • Zu sehen, wie es anderen Menschen auf der Welt immer schlechter geht, weil wir unseren übertriebenen Lebensstandard in den westlichen Ländern praktizieren - aus Respekt gegenüber kommenden Generationen
  • Dabei Menschen zu treffen, die ähnliche Lebensweisen, Ansichten und Ziele haben!
  • Da ich mich für ein soziales Wesen halte ergibt es nur Sinn, mich so zu verhalten, dass alle anderen sich genauso verhalten könnten und es für alle reicht. Ich sehe es als meine persönliche Verantwortung an, nicht mehr Ressourcen zu verbrauchen als wirklich notwendig sind und daran sogar Spaß zu haben und somit andere Menschen mitzureißen.
  • Ich kann nicht mit dem Gedanken leben, dass andere Menschen unter den Auswirkungen unserer Lebensweise leiden und sterben
  • Gewissheit, dass alles mit allem zusammenhängt und verbunden ist!
  • Ich will, dass auch meine Kinder und nachfolgenden Generationen noch hier leben können!
  • Sich nicht zu engagieren ist auch keine Lösung sondern Resignation!
  • Zukunftsangst, schlechtes Gewissen, die nächste Generation, Erhalt des Lebensraums Erde
  • Weil die Erde ziemlich nice ist.
  • Der Gedanke einmal Kinder in diese Welt zu setzen
  • Meine eigene Zukunft und die Zukunft der Tiere
  • Eine lebenswerte Zukunft für mich und andere zu gestalten!
  • Die Aussicht darauf, dass es der Erde und allen Menschen irgendwann gut gehen wird und dass man dabei viele so super nette Menschen kennenlernt.

Persönliche Erfahrungen von Teilnehmenden:


„Die LCOY 2019 war eine super Erfahrung! Durch die sehr offene Atmosphäre konnten wir (auch ohne selbst in dem Feld aktiv zu sein) mit jedem ein Gespräch anfangen und haben uns rundum wohl gefühlt. Außerdem war die LCOY sehr vielseitig und hat die Schnittstellen zu Wirtschaft, Politik und Gesellschaft z. B. auch im Hinblick auf Menschenrechte aufgezeigt. Und das Wichtigste: Sie hat auch einfach Spaß gemacht, da das Angebot mit Swing-Tanzkursen u. ä. ergänzt wurde!”


„Die LCOY 2019 war eine riesige Bubble aus tollen Menschen, die sich die ganze Zeit nicht entscheiden konnten, welchen tollen Programmpunkt sie als Nächstes wahrnehmen wollten. Im Fokus stand für mich definitiv die Vernetzung, aber was ich besonders gut fand war, dass man so frei entscheiden konnte, was man macht. Dabei gab es auch definitiv genügend Rahmenprogramm zum abschalten. Insgesamt eine Veranstaltung, die unabhängig vom Vorwissen alle Menschen eingeladen hat sich gemeinschaftlich zu inspirieren.”


„Die LCOY 2019 hat mich immer wieder vor schwere Entscheidungen gestellt, nämlich in welchen spannenden Programmpunkt ich als nächstens eintauchen soll. Eine solche Fülle an interessanten Workshops, Planspielen und Vorträgen, zu allem was irgendwie mit dem Klimawandel zusammenhängt, dazu auch noch ein so kurzweiliges Rahmenprogramm, gibt es wohl nur einmal. Die Qual der Wahl, sich alles auf einmal anschauen zu wollen, erinnert tatsächlich an die realen internationalen Klimakonferenzen. Aber zusätzlich habe ich bei jeder Workshop Diskussion, in den Essenspausen oder spät nachts in einer furiosen Spielrunde viele offene und nette Menschen kennengelernt, mit denen es von Anfang an möglich war, über Emissionshandel fachzusimpeln, Aktionsformate auszutauschen oder herzlich zu lachen. Eine Entscheidung wird mir auf jeden Fall nicht schwer fallen: wiederzukommen.”


„Die LCOY letztes Jahr war eine super intensive und wertvolle Erfahrung für mich. Vorher hatte ich mich nur im Rahmen eines Praktikums so sehr mit dem Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz auseinandergesetzt. Was soll ich sagen: der Besuch der LCOY war für mich das Highlight der Praktikumszeit. Ich hab wundervolle Menschen getroffen, mich mit Gleichgesinnten ausgetauscht und diskutiert und hatte mega viel Spaß an den Abenden. Es gab so viel zu sehen, zu entdecken, zu lernen, dass ich fast dauerhaft eine ‘fear of missing out’ gespürt habe - allerdings im positiven Sinne. Nach der Konferenz letztes Jahr habe ich kurzerhand beschlossen, auch mitwirken zu wollen und mich generell mehr zu engagieren. Deswegen bin ich nun beim LCOY-Orgateam am Start und auch noch anderweitig klimatechnisch involviert. Das hat mein Leben definitiv bereichert.”


„Auf der Konferenz trafen sich Menschen verschiedenster Ideen und Fähigkeiten, vereint durch die Bereitschaft sich für den Klimaschutz einzusetzen. Die Stimmung war fantastisch!"

Stimmen aus dem Organisationsteam:


„Zu Beginn des letzten Jahres, als ich über einen Zufall zur LCOY kam, wusste ich noch nicht, was das alles für mich bedeuten würde. 19 Monate später kann ich sagen: Ich bin so unglaublich froh, dass ich ins Orgateam gekommen bin. Auch wenn die LCOY natürlich das Highlight des letzten Jahres war, gibt es etwas, was mir noch wichtiger war: Die ganzen Menschen, die ich kennenlernen durfte – erst nur über Zoom, und dann auch irgendwann “in live” auf den Arbeitswochenenden, die immer viel Spaß und wenig Schlaf bedeutet haben.
In diesem Sinne: Ich freue mich auf alles, was noch kommt!”


„Die letzte LCOY hat unglaublich viel Spaß gemacht! So viele motivierte, fröhliche und neugierige Menschen, die alle unterschiedlich waren, aber doch für das gleiche brennen - mehr Klimaschutz, Nachhaltigkeit und eine gerechte Zukunft. Das hat motiviert und für mich als Teammitglied war es besonders schön zu sehen, wie viele der Teilnehmenden zu mir kamen und so positives Feedback gegeben haben. Das hat mir sehr viel zurück gegeben und ich freue mich auf die nächste LCOY!”


„Ich war bei der LCOY 2019 dabei, aber konnte nicht viel mitbekommen, weil ich nur kurzfristig die Technik gemacht habe. Aber das, was ich mitbekommen habe, war sehr cool und ich war begeistert. Ich habe vorher gar nicht gewusst, dass es so eine coole Organisation gibt. Das habe ich nur erfahren, weil die LCOY bei mir an der Schule war und ich von der Schule aus die Technik gemacht habe. Ich bleibe auf jeden Fall sehr gerne dabei.”


„Ich wurde herzlich in das Team aufgenommen und lernte alle persönlich auf den Arbeitswochenenden kennen. Dies war die tollste Zeit an der Vorbereitung auf die LCOY, denn ich lernte unfassbar tolle Menschen, mit denen man richtig gut Großes organisieren konnte, kennen und fand tolle neue Freunde.

Und nun zu der Hammer Konferenz…. Wir sind zwei Tage vorher als Organisationsteam angereist und haben angefangen die Schule umzubauen. Super viel Arbeit, mit enorm viel Stress. Freitags kamen dann die Teilnehmenden und alle waren sehr aufgeregt. Erst als die Auftaktveranstaltung begann, ließ meine Aufregung langsam nach. Am nächsten Tag gab es unglaublich coole Vorträge, Diskussionsrunden, DIY Projekte….. Als Teil des Organisationsteams konnte ich viele tolle Angebote leider nicht wahrnehmen. Mir persönlich hat es aber nichts ausgemacht als Teil des Teams einiges an coolen Angeboten zu verpassen, denn die Konferenz war einfach unbeschreiblich, aufregend, spaßig, spannend und lehrreich.”